August 20172017-12-31T17:27:08+00:00

Project Description

August 2017

1904 wird der, von Escher Wyss in Zürich erbaute, Schraubendampfer Rigi auf dem Zugersee in Betrieb genommen. Der Start gelingt nicht so, wie es gedacht ist: Der Dampfkessel passt nicht unter dem Viadukt der Gotthardbahn in Zug hindurch. Arbeiter heben wenige Zentimeter der Strasse unter der Brücke aus, doch die sechs Pferde schaffen es vorerst nicht, den tonnenschweren Kessel aus der Grube zu ziehen. Auch der Stapellauf 1904 beschert Probleme: Statt der der vorgesehenen zwei Stunden dauert er nicht weniger als 63 Stunden.

Der Dampfer wird sofort häufig eingesetzt und ist beliebt. Äusseres Zeichen der Popularität ist ein Gedicht, das Kaplan Wipfli aus Immensee 1909 vor dem Einwintern verfasst und publiziert:

Der See, er wird noch stiller werden,
Die Ahnung drück mich schwer und hart
Wenn du, o wanderfrohe Rigi!
Nicht mehr vollführst deine Fahrt.
Ja, jeden Morgen wird’ ich schauen
Hinaus aufs kleine «Zugermeer»…
Doch du, die sehend ich erwarte,
Du, liebe Rigi kommst nicht mehr…

Die solchermassen gelobte «Rigi» ist nicht ohne Probleme: 1908 bricht im Maschinenraum des Dampfers ein Feuer aus. 1912 verwickelt sich der Hilfsmatrose Sidler beim Ablegen dermassen unglücklich im Seil, dass er unter dem Schiffsgeländer hindurch vor die Schraube geschleudert wird. Der rechte Fuss und das untere Drittel des Unterschenkels werden zermalmt.

Während dem Ersten Weltkrieg kann, wegen Kohlenmangel, nur noch sonntags gefahren werden. Diese Sonntagsfahrten sind sehr gut belegt: Der Abendkurs wird öfters mit 500 Personen gefahren, doppelt so vielen wie erlaubt!

1960 erhält der Schraubendampfer einen Dieselmotor, man kann den Personalaufwand reduzieren und die Tragkraft auf 300 Personen erhöhen.

Die Schifffahrtsgesellschaft für den Zugersee (SGZ) möchte Mitte der 1970er-Jahren die beiden «Schönwetter-Schiffe» Rigi und Schwan ersetzen und beantragt beim Kanton Zug einen Kredit für den Bau zweier neuer Schiffe. Gegen den Kantonsbeitrag für die 4.5 Millionen Franken teuren neuen Schiffe wird das Referendum ergriffen. Nach einem heftigen Abstimmungskampf entscheidet sich das Zuger Volk im Verhältnis 2:1 für die neuen Schiffe. Ob das Abstimmungsresultat in der heutigen Zeit auch so herausgekommen wäre, wage ich zu bezweifeln.

Die «Rigi» wird mit der Inbetriebnahme der neuen Schiffe 1978, nach rund 850’000 geleisteten Kilometern, ausser Dienst gestellt und sofort, in einer Nacht und Nebel-Aktion abgebrochen. Man will so Kreisen zuvorkommen, die das Schiff gerne erhalten hätten. Schade!