November 20182018-10-30T18:15:54+00:00

November 2018

Im Jahr 1888 bestellte die Vereinigte Dampfschifffahrts-Gesellschaft für den Thuner- und Brienzersee bei Escher Wyss in Zürich zum Preis von 180’000 Franken einen Raddampfer. Obwohl auf den grossen Schweizer Seen seit Jahren prächtige Salonschiffe im Einsatz standen – so verkehrte auf dem benachbarten Brienzersee der Salondampfer Oberland seit 1870 – wurde ein Halbsalondampfer bestellt (erst 1906 wurde mit der «Blümlisalp» ein Salondampfschiff in Betrieb genommen und sie sollte die einzige dieser Bauart auf dem Thunersee werden).

Der neue, spartanisch eingerichtete Halbsalondampfer musste auch im Winter wirtschaftlich eingesetzt werden können. Ende Mai 1889 konnte das Schiff mit leichter Verspätung in Dienst gestellt werden. Getauft wurde es auf den Namen Helvetia.

Der Dampfer kam gerade noch rechtzeitig für die drei Wochen später erfolgte Eröffnung der Beatenberg-Bahn zum Einsatz. Gegenüber den älteren Einheiten der Thunersee-Flotte hatte er von Anfang an den Hecksteuerstand mittschiffs. Die Passagiere wurden auf dem hinteren Oberdeck anstatt von einem Sonnenzelt mit einem festen Dach geschützt.

1896 bekam der Dampfer ein Dach zwischen den Radkasten und die Frontseite wurde verglast.

Im Winter 1910/11 erfolgte ein Totalumbau. Die «Helvetia» wurde um 4,1 Meter verlängert und mittschiffs um ein Oberdeck ergänzt, auf dem man in einem Steuerhaus die Heck- und die Bugsteuerung zusammengelegte. Die Tragfähigkeit konnte von bisher 500 auf 750 Fahrgäste erhöht werden. Dampfmaschine und Schaufelräder wurden von Escher Wyss umfassend überholt und teilweise erneuert. Die Räder erhielten nur noch acht anstatt bisher zehn Schaufeln. Auf dem Dampfer wurden zwei neue Kessel mit einem gemeinsamen Dampfsammler eingebaut. Am 15. Juli 1911 kehrte das Schiff wieder auf den Thunersee zurück.

Auf Grund der Kriegswirren musste es zwischen 1916 und 1921 stillgelegt werden. Danach stand die «Helvetia» im regelmässigen Dienst, jedoch etwas im Schatten der beliebteren Schwesterschiffe Beatus und Bubenberg. In den 1950er Jahren wurde der Ersatz der «Helvetia» geplant und 1959 mit der Inbetriebnahme des MS Niederhorn auch vollzogen. Der Halbsalondampfer Helvetia wurde im gleichen Jahr zum Ende der Saison auf der Werft in Thun abgebrochen.